Deutsche Meisterschaft 3D des DSBV in Volkmarshausen am 08. und 09.08.2015

Als im Juli die Qualifikationszahlen veröffentlicht wurden, waren wir total happy. Willi (war zu erwarten gewesen, bei der hohen Punktzahl) und ich (Hey. Das hätte ich nie erwartet) hatten uns beide für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Was für eine Leistung. 🙂 

Schnell wurde ein Hotel in Hann. Münden gebucht. Von mir aus konnte es los gehen. 

Die Shadow-Hunters Volkmarshausen richteten die Deutschen Meisterschaft 3D am 08. u. 09.08.2015 aus.

Wir kamen am Freitag an und konnten schon mal zur Bogenkontrolle. Pfeile, Bogen und Schießhandschuh wurden genau unter die Lupe genommen und dann bekam man einen Aufkleber auf den Bogen. Außerdem bekam man die Startnummern, die man sich gut sichtbar an den Bogenköcher basteln sollte und es hing die Gruppeneinteilung aus.

Am Abend saßen wir noch ein bisschen mit Martina und Hans-Jürgen zusammen, es zog uns aber schnell zum Hotel. Irgendwie waren wir doch etwas kaputt. 

Wir nächtigten im Aegidienhof. Ein sehr schönes Hotel in der Altstadt von Hann.Münden. Die Betten waren wirklich hervorragend. Fast besser als das zu Hause und wir schliefen wie die Steine. Am nächsten Tag sind wir dann früh raus. Schnell um 8.00 Uhr zum Frühstück (eher gab es leider noch nichts). Das war sehr urig. Wir frühstückten in einer zum Café umgebauten Kirche. Ein komisches Gefühl so auf den gepolsterten Kirchenbänken zu Sitzen und zu Essen, selbst für mich als Atheist. Aber das Frühstück war gut und die Kirche innen mit grellen Farben bemalt und überall hingen bunte moderne Bilder. 

Leider blieb uns nicht viel Zeit, denn wir mussten schon um 09.00 Uhr am Schießplatz sein. Also ging es los und je dichter man dem Gelände kam, desto aufgeregter wurde man. 

Am Einschießplatz war die Hölle los. Über 500 Schützen wollten sich warm schießen. Ein Gedränge. Da wollte ich nicht mitmachen. Einschießen wird ja auch vollkommen überbewertet. Einen komischen Beigeschmack hatte das schon. Irgendwie fühlte man sich unvorbereitet. Turniere gehe ich oft, ohne mich einzuschießen, weil wir gerne mal gerade Just-in-time da sind und dann so viele Bekannte vor Ort sind, dass ich gar nicht zum Einschießplatz komme. Aber hier, auf der DM? Irgendwie fühlte man sich furchtbar unvorbereitet.

Zu allem Überfluss fing es an zu regnen und ich hatte keinen Regenschirm dabei. Es tröpfelte stetig und ich wurde nass und nasser. Zum Glück war es schon recht warm. 

Dann kamen die Reden. Der neue Leitende-Kampfrichter wies uns nochmal darauf hin, besonders vorsichtig zu sein und gutes Schuhwerk zu tragen, denn der eigentliche Leitende-Kampfrichter hatte sich am Vortag bei der Begehung der Parcours das Bein gebrochen und läge nun im Krankenhaus. Oha. Da wurde ich noch aufgeregter. Unwegsames Gelände und ich, wir mögen uns nicht. Dann wurde es feierlich, die Deutsche Nationalhymne wurde gespielt. Hach und das Gefühl, nun zu den besten Schützen Deutschlands zu gehören(jedenfalls zu den Besten derer, die auf einer Landesmeisterschaft angetreten sind), die nun um den Meisterschaftstitel schossen, das lies einem ganz warm ums Herz werden. 

Willi und ich waren in der orangen Gruppe, er mit der Startnummer 17d und ich mit der Startnummer 22d (es gab 4 Gruppen). Wir starteten an diesem Tag im gelben Parcours mit der 3 Pfeil Runde. Alles klappte Reibungslos. Wir wurden zu unseren Startplätzen gebracht, wo ich vollkommen atemlos ankam, und mussten dann noch ein wenig auf den Startschuss warten. Zum Glück. So konnte man noch ein wenig verschnaufen.

Dann hallte der Startschuss durch das Gebirge und los ging es. 32 Stationen galt es zu bewältigen. Ein Schuss schöner als der andere. Die Tiere waren so schön gestellt. Am liebsten hätte ich ganz viele Fotos gemacht, was natürlich verboten ist, deshalb gibt es von mir auch keine. 

Meine erste Station war ein Bär der Kategorie 1, der aber nicht auf die volle Entfernung von 50 Metern stand, sondern wesentlich näher. Das nahm mir ein wenig die Angst vor den sehr weiten Schüssen und ich wurde ruhiger. 

Es hat so viel Spaß gemacht, auch wenn ich zwischendurch echt dachte, meine Lunge verabschiedet sich gleich (150 Höhenmeter mit bis zu 47° Steigung nahmen einem den Atem). 

Wunderschön war auch der alte Eisenbahntunnel mitten im Gelände. Um von einem zum nächsten Ziel zu kommen, mussten wir ihn durchqueren. Man kam sich so ein bisschen wie auf den Spuren der Inkas vor, denn man ging durch den Wald, bog um eine Ecke und da ragte es plötzlich vor einem auf, das Portal aus einer anderen Zeit. Bewachsen mit Büschen, Moosen, Farnen und Gräsern. Nun mussten wir durch dieses Portal und zwar in die Dunkelheit, die nur durch das Licht der aufgestellten Kerzen ein wenig erhellt wurde. Eine wunderschöne Stimmung. Wenn ich „meine“ drei Männer (Steffen, Stefan u. Peter) nicht dabei gehabt hätte, wäre mir wohl etwas mulmig geworden. So ging ich voll Forscherdrang vor und genoss den Gang durch das kühle gut 325 m lange Tunnelgewölbe. 

Am Ende des Tages stand ich auf Platz 6 mit 291 Punkten, Willi auf Platz 4 mit über 400 Punkten. 

Und wir waren richtig fertig. Eigentlich wollten wir noch mit Hans-Jürgen und Martina ein bisschen feiern. Allerdings blieb das beim verzehren des Kartoffelgratengs (INSIDER), welches die Beiden im Dutch Oven gezaubert hatten. Auf das Schichtfleisch verzichteten wir, das hätte zu lange gedauert und wir wären wohl auf unseren Campingstühlen eingeschlafen. 

Früh verabschiedeten wir uns. Im Hotel stiegen wir noch schnell in die Dusche und schliefen sofort ein, als die Köpfe die Kissen berührten. Morgens klingelte der Wecker VIEL zu früh. Fertig machen, Frühstücken, los zum Turniergelände.

Auch heute das Selbe Bild am Einschießplatz, so dass wir diesen gemieden haben. 

Heute war nun die Hunterrunde dran, die wir auf dem weißen Parcours zu bewältigen hatten. Wir wurden zur Station 22 gebracht und hatten den höchsten Aufstieg. Ich hätte kotzen können, wenn ich dafür noch genügend Atem gehabt hätte. Zwischendurch war ich echt versucht, mich einfach hinzusetzen und zu sagen: „ICH WILL NICHT MEHR!“. Nachdem sie uns nun gute 2 Kilometer in den Berg geführt hatten, kam ich quasi fertiger an unserem Startpunkt an, als ich gestern aus dem Parcours gekommen war. Die Beine schmerzten, die Lunge brannte. Und als der Startschuss fiel, war ich noch gar nicht ganz  bei Atem. 

Unser erstes Ziel waren Fasane. Die ersten beiden schossen. Beide drüber. Mein Partner schoss. Drüber. Ich stand da. Noch immer leicht außer Atem. Visierte das Tier an. Dachte: „Der steht gut, das kannst Du!“ – löste, der Pfeil flog durch die Luft und landete mit einem satten Plopp im X-Kill. Yeah! Das nächste Ziel nullte ich, das war auch etwas weiter weg. Beim nächsten gab es einen Körpertreffer und ich führte die Gruppe an. Nun setzte der Kopf ein. Und? 8 Nullrunden hintereinander bei machbaren Schüssen (ich hätte echt fast geheult, 8 Nuller und dann noch die körperliche Erschöpfung obendrauf). Ich sah mein Tagesziel mit 150 Punkten aus der Hunterrunde zu kommen, schwinden. Dann mal wieder ein Treffer. Dann wieder Nullrunden. Irgendwann dachte ich, wenn ich mit 50 Punkten hier raus gehe, wie peinlich. Dann hatte ich 51 Punkte, wir hatten aber nur noch 8 Ziele vor uns. Wie ich es gemacht habe, weiß ich nicht, aber ich kam immerhin noch auf 109 Punkte, zum Schluss war ich aber auch richtig wütend. Ich hatte 4 Sockeltreffer und 5 Abpraller. Vielleicht gab das noch mal so einen Motivationskick? 

Willi hatte mit seiner Gruppe auch viel Spaß. Natürlich kann ich darüber nichts berichten, aber wem er die Geschichten noch nicht erzählt hat, der kann ihn bestimmt gerne fragen. 

Das Gelände des weißen Parcours war, nachdem man einmal Oben war, nicht ganz so anstrengend wie der gelbe Parcours. Ich kam an meine Grenzen und noch ein gutes Stück weiter. In der Hunterrunde dachte ich so manches Mal: „Jetzt aufhören würde gar nichts ausmachen!“ Ich habe meinen inneren Schweinehund überwunden und selbst bei den vielen Schüssen daneben hatte ich, auch dank meiner Gruppe, viel Spaß und Freude an den schön aufgestellten Zielen.

Ich hoffe, wir schaffen es im nächsten Jahr wieder, uns für die Deutsche Meisterschaft zu qualifizieren. Auch wenn alles etwas aufregender ist, als wenn man zu einem Turnier geht, macht es doch unheimlich Spaß, sich mit den vielen sehr guten Bogenschützen zu messen. Und man sieht, auch die guten, erfahrenen Bogenschützen haben Nerven, nicht nur wir Frischlinge. Auch haben einige das Handtuch geworfen und sind am zweiten Tag gar nicht mehr angetreten. 

Willi kam mit 671 Punkten auf den 3. Platz bei den Herren Jagdbogen Ü45 und ich mit 400 Punkten auf den 7. Platz bei den Damen Jagdbogen Ü40. Willi hat sein Ziel, auf dem Treppchen zu stehen, geschafft. Mein Ziel war es, nicht letzte zu werden und gesund aus dem Parcours zu kommen. Das habe ich auch geschafft.

Willi the Winner... 3. Platz bei der DM! SUPER

Wir freuen uns, das wir an einer so gut durchorganisierten Veranstaltung teilnehmen durften. Es gab wirklich nichts zu meckern. Es gab keinen Schuss, der irgendwie lieblos in die Botanik gestellt wurde. Jeder Schuss war eine Augenweide und ein Genuss für den Schützen. Der Parcours war sehr anspruchsvoll gestellt. Das hatte weder was mit dem schwer zu gehenden Gelände noch etwas mit den Weiten zu tun. Die Ziele waren alle nicht auf die Maximalentfernung gestellt, aber durch Bodenwellen, Senken, Hügelchen, Schluchten, Bäume, Licht und Schatten wurde dem Instinkt so manches Schnippchen geschlagen und auch die die gut Entfernungen schätzen konnten, lagen oft daneben. 

Leider dauerte es dann mit der Siegerehrung ziemlich lange. Erst warteten wir noch auf eine Gruppe (ich sage ja, es gibt immer eine Gruppe die sehr viel länger braucht als alle anderen) und dann dauerten die Ehrungen gute zwei Stunden. 

Fotos gibt es von mir, wie oben schon geschrieben, leider keine, allerdings kann man auf der Seite der Shadow Hunters Volkmarshausen in der Galerie schauen. Über 800 Fotos sind dort anzuschauen. 

Unsere herzlichen Glückwünsche gehen an alle Deutschen Meister 2015 und an alle Platzierten.

Foto und Text P. Gehrke