Was mich an Mitschützen manchmal nervt…

Psychologische Kriegsführung scheint alles zu sein und da werden alle Register gezogen. Der „Gegner“ wird gescannt, analysiert und eingeschätzt. Dann wird die Strategie geplant. Wie mache ich den Mitschützen so kirre, dass der nicht mehr so gut trifft? Plan B ist, einfach alles rauszuhauen, was nerven könnte, irgendeinen wird es schon aus der Ruhe bringen.

Schön sind die Turniere, bei denen man sich aussuchen kann, mit wem man schießt. Da nimmt man natürlich Freunde, die zu einem passen. Manchmal hat man sich auch schon vorher verabredet. Dann hat man Spaß und schießt vollkommen unbeschwert. Das spiegelt sich dann auch immer in meiner Punktzahl. Gute Gruppe = mehr Punkte!

Dann gibt es die zusammen gewürfelten Gruppen. Meist passt auch das sehr gut. Nach anfänglicher „Scheu“ und zaghaftem Vorstellen hat man ganz schnell neue Freunde gefunden und hat beim nächsten Turnier noch mehr Probleme zu entscheiden, mit wem man schießen möchte.

Manchmal gehen diese vom Veranstalter eingeteilten Gruppen auch nach hinten los und man ist froh, wenn man mit diesen Schützen NIE wieder schießen muss.

Mir sind da folgende Typen begegnet:

Choleriker: Man geht schon eine ganze Weile durch den Wald und unterhält sich nett während der Schießpausen. Auch über die Defizite, die man hat. Zum Beispiel, dass irgendwann mal die Konzentration nachlässt. Dann schießt der Choleriker irgendwann mal einen Nuller und brüllt den ganzen Wald zusammen, so dass man selber ganz geschockt ist, sein Hund unter der Grasnarbe verschwindet und man nur noch hinter diesem Menschen geht. Wer weiß was sonst noch alles passiert?

Papi: Der Papi geht vornehmlich mit seinem Kind, welches meist noch unter 10 Jahre alt ist, auf Turniere. Wenn das Kind nicht dabei ist, dann überträgt er seine Fürsorge auf andere Schützen. Sowie ein Schuss daneben geht, erfolgt ein lauten, mitleidiges „OOOOOOOCH!“ begleitet von einem Dackelblick, trifft man, wird einem auf die Schulter geklopft und „Das hast Du aber fein gemacht!“ gesagt. Man selber möchte dann gerne zum Choleriker werden und zeigen, wie doll der Bogen schlägt.

Hundebesitzer: Da gibt es die, die ihren Hund an der Leine führen und man diesen quasi gar nicht bemerkt. Und dann gibt es die, die ihren Hund ohne Leine laufen lassen, sich die Gegend angucken und der Hund dann schon mal vorläuft und man ständig darauf achten muss, dass dieser nicht im Schuss steht. Man steht also am Pflock und wartet darauf, dass sich der Köter endlich zum Herrchen bewegt, nachdem man diesen mehrfach dazu aufgefordert hat, seinen Flohteppich aus dem Schuss zu entfernen. Schön auch, wenn man im Anker steht und der Hund plötzlich von hinten ins Gesichtsfeld läuft.

Miesepeter: Das Wetter ist doof? Der Parcours ist anstrengend? Wir laufen ständig auf eine Gruppe auf? Merken wir ja selber. Da gibt es dann aber Leute, die schmieren einem das im Sekundentakt aufs Brot und dieses mit einer Stimmlage, die einen sowas von runter zieht. „Das ist aber kalt und windig!“ (schon friert man noch ein bisschen mehr) „Und wir laufen schon wieder auf und müssen im Wind stehen, boah ist das kalt!“ (bibber) „Also dieses Auflaufen nervt aber!“ (bibber genervt) „Das Gelände ist aber anstrengend und gefährlich, so kann man doch einen Parcours nicht stellen. Also ich habe ja gerade eine Hüft-OP gehabt. Das ist hier echt schon grenzwertig!“ (geh in die Halle Du *piiiieeep* „Och menno, jetzt laufen wir schon wieder auf. Und das bei diesem Wind… …ach hier ist echt alles Scheiße!“ – am liebsten möchte man dann schreien: „Halt endlich Deine Fresse, wenn Dir das im Wald nicht gefällt, schieße doch Fita in der Halle, aber lasse mich endlich in Ruhe!“ – macht man natürlich nicht. Zwischendurch sieht man sich sogar dabei (also vor dem geistigen Auge) wie man diesen Menschen den Hang runterschubst. – macht man natürlich auch nicht. Summen hilft. Wenn man eine Melodie summt, dann hört man den anderen nicht.

Entfernungsfreak: „Boah, das Ziel ist bestimmt 50 Meter weg… …MINDESTENS, wenn nicht noch mehr…“ – 50 Meter sind ganz weit weg… …ich halte an, ziemlich hoch, noch höher denn das Ziel ist ja weiter weg, als ich gedacht hätte und? – Drüber. Das klappt natürlich auch umgekehrt: „Das hat keine 30 Meter!“ – Schwub zu kurz geschossen. Ich schieße zwar instinktiv, aber wenn meine Instinkte von Zahlenangaben verwirrt werden, bin ich meistens daneben… …Summen hilft übrigens…

Niedermacher: Der Niedermacher hält seinen Mitschützen klein. Er gibt dem „Gegner“ das Gefühl, dass dieser unwürdig ist, ein Turnier mitzuschießen. „Wie? Das weißt Du nicht? Dann geh nochmal nach Hause und lerne erstmal etwas über die Regeln, da bist Du hier vollkommen fehl am Platz!“ oder auch „Also das ist ja jetzt ein Geschenk, da muss man mindestens Kill treffen. Alles andere geht gar nicht!“ – nun gehst Du an den Pflock und denkst die ganze Zeit: „Ich muss das Kill treffen, ich muss das Kill treffen, ich muss das Kill treffen!“ Zzzoooosch – der Pfeil landet im Hintern… …VERDAMMT (vor allem, wenn der Niedermacher dann noch Kill trifft).

Trainer: Du stehst gerade im Anker und dann geht es los, ungebeten!: „Also dein rechter Ellenbogen muss aber schon etwas höher!“ oder „Versuch doch mal Dein rechtes Bein etwas mehr nach hinten zu nehmen!“ oder „Mach nicht so ein Hohlkreuz!“ und so weiter und so fort. Nett gemeinte Ratschläge. Allerdings bei einem Turnier nicht gefragt und geht eigentlich gar nicht. Netter ist es, wenn der Trainer nach einem Schuss fragt, ob er einem mal etwas sagen dürfte. Das hat mir schon sehr geholfen, gerade in meiner Anfangszeit. Auch jetzt schleichen sich Fehler ein, auf die man gerne in einer ruhigen Minute hingewiesen wird. Danke für all die guten Ratschläge im Laufe der Jahre.

Spaßschießer: Natürlich schießen wir alle nur zum Spaß, aber mal ganz ehrlich – Treffen ist schon Geil, oder? Der Spaßschießer schießt Bogen nur zum Spaß. Der Weg ist das Ziel und man ist schon glücklich, wenn alle 3 Pfeile, für die man ja auch schließlich bezahlt hat, den Bogen schön verlassen. „Die sind aber alle drei gut rausgekommen!“ Stimmt. Es ertönte aber leider nicht das ersehnte Geräusch, welches es macht, wenn der Pfeil sich in das Gummitier bohrt. So. Nun geht man zum Ziel. Alle drei Pfeile stecken quasi auf einer Stelle. „Boah, das ist aber eine tolle Gruppe!“ freut sich der Spaßschießer. Und dann geht es zur nächsten Station… …das Selbe noch einmal… … …

Diskutant: Er schießt, es macht plopp und er geht vom Pflock. Es sieht von Oben aus, als ob der Pfeil im Sockel steckt. Man weißt den Schützen darauf hin und rät ihm, noch einen Pfeil zur Sicherheit zu schießen. Macht er nicht. Hat ja plopp gemacht. Nun ist man unten am Ziel und siehe da – der Pfeil steckt im Sockel. Jetzt kann man A nett sein, er darf noch einmal nachschießen oder B korrekt sein und er bekommt NULL Punkte für dieses Ziel. Der Diskutant hat dann aber auch noch die Variante C. Solange diskutieren, bis man ihn würgen möchte. Nun bekommt er keine Punkte. Ähnlich läuft das auch, wenn der Pfeil noch einen Millimeter Luft zwischen sich und der Killlinie hat. Boah!!! Am Ende gewinnt dieser Schütze dann nur nicht, weil die Gruppe geschummelt hat. Ihm wurden ja nicht alle Punkte aufgeschrieben.

Aufschneider: Mit stolzgeschwellter Brust kommt er daher. Was er nicht alles schon gemacht hat und was für Gewinne er schon eingeheimst hat. Und dann schießt er auch nur mit Pfeil und Bogen. Vielleicht hatte er ja gerade mal einen schlechten Tag?

Angeber: „Das war ja alles leicht hier. Die Tiere standen alle total dicht. Es gab ja nur Geschenke!“ – DANKE! Schön dass Du alles getroffen hast und es für Dich leicht war. Ich habe nicht alles getroffen, weil doch ein paar knifflige Schüsse dabei waren. Aber schmälere ruhig meinen Erfolg durch Deine Angeberei. „Das Gold ist heute aber wieder groß, das MUSS man einfach Treffen!“ – Gesagt – Getan – 3 Pfeile in der 10. ARSCHLOCH!!!

Ich glaube ja, so ein bisschen was von diesen Charakteren steckt in uns allen. Man muss nur aufpassen, dass man es nicht übertreibt.

Man muss sich allerdings auch nicht alles gefallen lassen. Klartext reden hilft manchmal, denn vielen fällt gar nicht auf, was sie da machen. Mir ist es lieber, die Leute denken, ich bin eine Zicke, als das ich mich 5 Stunden meines Lebens über jemanden innerlich aufrege. Das ist allerdings auch abhängig von der Tagesform. Manchmal ist man einfach leidensfähiger als an anderen Tagen und es gibt nichts, was einen aus der Ruhe bringen könnte…

Edit: Willi meint, ich würde mir mit diesem Post Feinde machen. Ich hoffe, er wird als DAS verstanden, was er ist. Als Satire. Ein Bekannter schrieb mir dazu: „Satire lebt vom Überschreiben“. Ich hoffe ihr grinst und schmunzelt beim Lesen und fühlt euch, falls ihr euch in dem einen oder anderen wiederentdeckt, nicht auf den Schlips getreten. Ich spreche mich auch nicht von diesen Zügen frei. Die „Labertasche“  habe ich mit Absicht weggelassen. 😀

Nun hoffe ich, das ich mich mit diesem Post nicht zum Jan Böhmermann der Bogenszene gemacht habe…

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